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“Etwas Gelassenheit”

Der Nachdenkliche – Karl Lunger als Zweiter von rechts bei der Prämierung der Olympiadengewinner 2018 | Foto: LPA

Karl Lunger, Professor für Systeme und Netze, eine rucksacktragende Persönlichkeit mit Brille, der man im Schulalltag immer wieder begegnet, nicht zuletzt wegen seiner Position als Vizedirektor der Schule. Wir haben mit ihm gesprochen, im Exklusivinterview verrät er uns von seinem ersten Tag an der TFO, seinem Lieblingsfach und welche Veränderungen er sich an der Schule vorstellen könnte.

Matrix Magazine: Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schultag an der TFO?

Karl Lunger: Es war ein etwas feuchter Tag im September 1986. Zuerst gab es die Messe in der Kirche bevor Direktor Konder und Vizedirektor Keifl alle Schüler mit dem Megaphon auf der Tür der Schule aufgerufen haben. Begonnen wurde bei den Großen und für uns hat es eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis wir endlich aufgerufen wurden. Wir waren 26 in der 1C, der Italienischlehrer hat uns empfangen und uns so manches über das Überleben an der Gewerbeoberschule mitgegeben.

Wieso sind Sie Professor geworden und war das früher Ihr Traumberuf?

Für meinen ersten Auftrag hab nicht ich mich beworben, sondern die Schule hat jemanden für eine kurze Vertretung gesucht und hat mich zu Hause angerufen. Es waren sechs aufregende Wochen und der Beginn vieler weiterer Jahre an der Schule. Manchmal sucht man im Leben nicht etwas, sondern man wird gefunden.

Würden Sie nochmal Professor werden?

Ja gerne. In der Klasse jeden Tag gerne wieder, die Bürokratie ist eine andere Seite der Schule!

Was macht einen guten Professor Ihrer Meinung nach aus?

Es gibt kein Standardrezept dafür. Aber etwas Gelassenheit hilft in so mancher Situation.

Der beeindruckendste Mensch der Geschichte ist für mich….

Es gibt viele beeindruckende Menschen in der Geschichte, aber einer aus unserer Nähe könnte Michael Gaismair sein. Er hat vor 500 Jahren den Finger in so manche brennende Wunde gelegt. Ein großer Informatiker war der Kritiker Joseph Weizenbaum. Bevor es Siri gab, hat er Eliza geschrieben und damit auf Risiken der Informatik hingewiesen. Mit Eliza hat Weizenbaum 1966 eine Software geschaffen, die einen Psychotherapeuten simuliert, was vor 50 Jahren doch sehr aufregend war.

Was würden sie mit einer Million Euro machen?

Mit einer Million müsste man ein schönes Windrad kaufen können (lacht).

Haben sie als Schüler auch mal abgeschrieben?

Nein, aber in diesem Zusammenhang gäbe es ein paar Geschichten, die ich nicht erzählen darf (lacht).

Was war früher Ihr Lieblingsfach und welches mochten Sie am wenigsten?

Mein Lieblingsfach war sicher Mathematik, damals noch mit Labor, aber auch die anderen technischen Fächer waren aufregend. Anstrengend war hingegen Technisch Zeichnen, damals noch ein eigenes Fach von der Werkstatt getrennt. Die Lehrer haben in meinen Zeichnungen immer Ungenauigkeiten und kleine Fehler gefunden, die ich nicht gesehen habe (lacht).

Hatten Sie eine/n Lehrer/in, der/die Ihr Leben stark beeinflusst hat?

Mein Mathematiklehrer Anton Keifl hat mich 5 Jahre lang begleitet und war sicher die prägendste Figur in meiner Schulkarriere. Im letzten Schuljahr kam der junge Informatiklehrer Alfredo Lochmann an die Schule und hat sehr viel Energie in die Fachrichtung Informatik gesteckt, mit vielen Ideen, Enthusiasmus und Motivation.

Was war das lustigste Geschehnis in Ihrem Unterricht?

Da gibt es einige Geschichten, aber ein Beispiel: Hinter der alten Schule in der Cadornastraße führt ein Fußgängerdurchgang vorbei. So mancher hielt dort an und hat etwas zugeschaut, bis eine Klasse ein Schild angebracht hat: “Füttern verboten!”

Fällt es Ihnen schwer, alle Schüler gleich zu behandeln?

Das versucht man immer und hofft, dass es auch gelingen möge! V.a. Bewertung ist oft auch subjektiv und zwischen Schwarz und Weiß gibt es auch viele Graustufen. Die erste Arbeit eines Schularbeiten-Paketes wird vielleicht nicht gleich gesehen wie die letzte. Deshalb korrigiere ich z.B. niemals in alphabetischer Reihenfolge.

Wird es nicht langweilig, immer dieselben Themen durchzukauen?

Nein, niemals, weil es ja immer mit anderen SchülerInnen gemacht wird. Auch in parallelen Klassen ist jede Stunde anders. Und dann ist nicht jedes Jahr gleich, Dinge ändern sich, Neues kommt manchmal hinzu, etwas lässt man vielleicht weg.

Gibt es Änderungen oder Weiterentwicklungen, die Sie sich an unserer Schule wünschen würden?

Weiterentwicklung findet in jedem Unterricht durch die LehrerInnen, dem Klassenrat oder die Fachrichtung und den Schülern selbst statt. Ein konkreter Beitrag für eine Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen könnte aber ein Beamer mit PC in jeder Klasse darstellen.


Zur Person:

Karl Lunger
© XPiconz

Karl Lunger, Professor für Systeme und Netze, sowie Vizedirektor seit 2017.
Matura an der GOB „Max Valier“, anschließendes Studium an der Fakultät für Informatik in Mailand.
Preisträger des Free Software Awards 2009.